Kolumne von Eva Unterburg: Hola Baby!

Grafik: Günter Land

Wer in Spanien oder Portugal Baby ist, hat es gut, finde ich. Da ist man immer mitten im Leben, wird von jedem in die Wange gekniffen, geknuddelt und geherzt, bekommt schöne Kleidchen an und hat ständig lächelnde Gesichter direkt vor der Nase.

Es ist eine Wonne hier mit Pausbäckchen und Ringellöckchen un-ter-wegs zu sein, bzw. sich bewegen zu lassen. Vorzugsweise auf Mamas oder Papas stolzen Armen oder im Buggy auf historischem Pflaster sanft hoppelnd in den Schlaf gewiegt zu werden. Sobald Baby irgendwo auftaucht, lassen Menschen beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters alles stehen und liegen, um das Kind lautstark zu begutachten. Da wird betüttelt, herumgereicht und liebkost, was das Zeug hält und offenbar hält das Zeug viel, denn die Babys wirken weder grippeverseucht noch traumatisiert. Auch einen akuten Schlafentzug mit Ringen unter den Augen, apathischem Blick oder flackernden Augenlidern konnte ich nicht feststellen, während meiner wochenlangen Feldforschungen in Südeuropa.

Sie waren allerliebst, die kleinen Miniportugiesinnen und Babyspanier. Lachten kullernd über meine Killekille- Dutzidutzi- und Kuckuckbemühungen und ermöglichten so als perfekte Türöffner den Kontakt zu ganzen Großfamilien. Ob im überfüllten Zug, am quirligen Strand oder im kühlen Kloster, die Allerjüngsten sind selbstverständlich dabei und ob gerade Schlafenszeit ist, interessiert offenbar niemanden so richtig. Da legt man dem Opa das schlummernde Bündel kurzerhand in den Arm, platziert die beiden unter einem schattigen Baum und schon ist die kindliche REM-Phase gesichert. Als übervorsichtiger Mitteleuropäer sieht man sofort das Kind aus den faltigen Unterarmen rutschen, im zu erwartenden Fall, dass auch den Großvater das mittägliche Siestaverlangen überkommt.

Überhaupt stand mir während unserer Reise immer wieder die deutsche Übervorsicht im Weg. Krabbelnde Kleinkinderhände im Mittelgang des Zugabteils sah ich bereits böse gequetscht unter schweren Männersohlen, durchstochene Mädchenohrläppchen pochten im Geist entzündlich vor sich hin und gelutschte Tintenfischstücke verursachten schlimmste Erstickungsanfälle. Aber nein, nicht eine einzige Katastrophe kleinkindlicher Art passierte auf dieser Reise, noch nicht einmal ein aufgeschlagenes Knie wegen zu langer Tüllkleidchen. Der hasenherzige deutsche Mutterteil mit dem Rundumblick hätte sich also getrost verabschieden können, zumal die Kinder ja allesamt eigene Eltern haben, die auf ihr Wohl bedacht sind.

Nur sieht das Wohl eben anders aus, als bei uns. Sonnenschirmchen, Riesenwickeltasche, Babykost… ach was, alles überbewertet, scheinen die spanischen und portugiesischen Babys fröhlich lachend ihren deutschen Kollegen zuzurufen. Laute Musik, schmucke Kettchen und auf dem Arm mittanzen – das ist das wahre Leben. Und Schlafen, wenn‘s gerade nötig ist, das geht schließlich immer, auch zu mitternächtlicher Stunde im vollbesetzten Gartenlokal. Der Laie schaut und staunt und macht sich Gedanken, warum man sich eigentlich so viele Gedanken machte damals, wenn doch alles auch so einfach geht mit den Babys. Im nächsten Leben bekomme ich meine Babys einfach in Portugal. So werde ich es machen!