Kennen Sie das? – Kolumne von Eva Unterburg

Man hat gerade ein Problem, von dem man dachte, es sei absolut singulär und man sei ganz allein damit auf der großen weiten Welt.. und dann hört man von beinahe jedem Gegenüber, dem man leidgeprüften Blickes davon berichtet: das kenne ich, das hatten wir auch schon!

So geschehen die letzten Tage bei jedem Telefonat und jeder zufälligen Begegnung in gebotener Distanz auf Straße, Gehweg oder Waldpfad. Dabei finde ich unseren Wasserschaden im Haus schon SEHR spektakulär.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, werden wir vermutlich alle bereits einen Nervenschaden oder gar veritablen Tinnitus unser Eigen nennen, wir werden unsere Kinder zerfleischt haben oder sie uns und unsere Haustiere werden allesamt zu den Nachbarn übergesiedelt sein.
Trocknungsgeräte, die mit viel Getöse das Wasser unter den Fußbodenfließen wegsaugen sind nämlich nichts für schwache Nerven.

Was ich in den letzten Tagen an erschreckenden Erfahrungsberichten zu hören bekam erinnerte mich daran, wie gerne man damals als Hochschwangere die schlimmsten Geburtsszenarien ungefragt detailgenau und minutiös geschildert bekam.

Das Kopfkino gefüllt bis zum letzten Platz.

Von komplett ausgebauten Küchen hörte ich da und dem Notbetrieb auf einem kleinen Campingkocher, damit die Kinder nicht nur von Dönertieren leben mussten in diesen sechs Wochen. Sechs Wochen???

Der nächste war gleich ganz ins Hotel gezogen. Wie soll das gehen in Zeiten von Beherbergungsverbot?

Man bot uns sogar eine demnächst kurzfristig leerstehende Wohnung an, um auf Luftmatratzen endlich mal wieder durchschlafen zu können.

Und dann die Vorfreude auf das Versicherungsprocedere, was ich da zu hören bekam, glich einer Endschlacht in den früheren Videospielen unserer Söhne. Da lieferten sich die Versicherungen der Nachbarn und der Betroffenen ein als solches bezeichnetes Battle und übrig blieb eine über Jahre zerstrittene Nachbarschaft.

Hinter vorgehaltener Hand fiel leise das böse Wort Versicherungsverlust. Offenbar darf man ähnlich wie bei Lord Voldemort nicht laut aussprechen, was einem im Falle eines größeren Wasserschadens drohen kann, nämlich die Kündigung des Versicherungsvertrages.
Dreimal wurde mir dieses „Unddannflogenwirraus“ zugeraunt, nicht ohne einen gewissen heldenhaften Unterton.

Was ist nur mit den bundesdeutschen Wasserleitungen los, dass sie gleich massenhaft mit Haarrissen um sich werfen, ihre Muffen platzen lassen oder grundlos den Kupfersuizid wählen? Das Alter kann es ja wohl nicht sein, unsere sind in den besten Jahren. Vielleicht eine Midlife Crisis? Platzen statt Harleykauf?

Wer weiß schon Näheres vom Seelenleben einer Wasserleitung. Tagaus, tagein die gleiche eintönige Arbeit, da kann man schon mal alles hinschmeißen und das Wasser Wasser sein lassen: „Ist doch mir egal, wo das in Zukunft hinfließt. Von mir aus in die Wand und wenn die voll ist, gerne unter die Fließen, immer der Schwerkraft nach. Und wenn dort Schicht im Schacht ist, soll doch die Kapillarwirkung damit machen, was sie will. Wände hochklettern? Von mir aus gerne.“

So denken sie sich das wohl, die müden, ausgelaugten Wasserleitungen in unserem Haus. Der Schimmel, die bucklige Verwandtschaft von all dem, gesellt sich dann auch noch dazu und nun haben wir den Salat.

Wir leben auf fließendem Gewässer, haben sozusagen den Gebirgsbach direkt unter uns, nur ohne heimeliges Gurgeln. Auch nicht für die Wasserkraft nutzbar, sonst hätten wir ja ein kleines Wasserrad in die Küche bauen können, um damit unsere noch nicht vorhandene Getreidemühle für den Hausgebrauch anzutreiben oder den Smoothie-Bereiter. Nachhaltig wäre das schon, auf jeden Fall besser für die Umwelt als der Strom aus der Steckdose.

Apropos Strom: die Lüftungsdinger sind nicht nur laut, sondern auch teuer. Vermutlich rangieren wir inzwischen unter Premiumkunden bei den örtlichen Stromversorgern. Aber ich schweife ab und dabei wollte ich Ihnen eigentlich nur erzählen, dass man mit den meisten Problemen so ganz und gar nicht alleine ist.

Man muss nur oft genug darüber sprechen und schon hat man sich die Selbsthilfegruppe gespart. Schauen Sie bei Gelegenheit doch mal nach Ihren Wasserrohren, vielleicht sind sie ja gerade seelenpflegebedürftig und Sie können den Supergau durch gutes Zureden und viel Lob noch abwenden.