3-Zi-Wohnung für junge Familie gesucht…

Grafik: Günther Land

3-Zi-Wohnung für junge Familie gesucht…

Solche Anzeigen hängen am schwarzen Brett neben den etwas angegammelten Obstsonderangeboten im Supermarkt oder sind zuhauf in den lokalen Anzeigenblättern vieler deutscher Großstädte zu finden. Von den unendlichen Weiten des Netzes einmal ganz zu schweigen.

Gleichzeitig tummeln sich die studierwilligen und wohnraumsuchenden Frischlinge an der Uni gerade in diesem Monat auf dem WG-Zimmermarkt und schreien vor Glück, wenn sie sich mit der Bürgschaft der Eltern unterm Arm gegen Hunderte Mitbewerber haben durchsetzen können. Da finden selbst Wohnklos mit Kochnische im eindeutig putzpflichtigen Status reißenden Absatz und zwar zu horrenden Preisen.

Im Osten der Republik gibt es zum gleichen Preis eine komplette Wohnung, was wir an unseren eigenen Kindern beweisen können. Wir sind in der glücklichen Lage, von einem grünen Garten umgeben wohnen zu dürfen, wo unsere Kinder jederzeit und vor allem zu jedem Wetter raus konnten zum Spielen. Was dem heimischen Teppich nicht immer bekam, war Labsal für ihre kindlichen Seelen und Lungen. Jedes Kind sollte so groß werden dürfen, mit Kuschelversteck unter den Büschen und Sandecke zum Sich-einsauen-dürfen.

Leider ist der Wohnungsmarkt aber derart angespannt, dass sich Eltern mit normalem Gehalt oft nicht das leisten können, was zu ihrer Familiensituation gerade passen würde. Und auf der anderen Seite stehen in unserer Umgebung jede Menge Einliegerwohnungen leer, deren inzwischen betagte Besitzer aus Angst vor schlechten Erfahrungen lieber nicht vermieten. Sie leben alleine in ihrem großen Haus, oft mehr schlecht als recht, mit einem großen Garten, der ihnen mehr und mehr zur alltäglichen Bedrohung wird.

Schade eigentlich, dass diese beiden Parteien nicht zusammenfinden. Mancher alleinstehende Senior wäre vielleicht glücklich, wieder Kinderstimmen im Haus zu haben und jemand, der gegen Nutzung des Gartens sich auch komplett darum kümmern würde. Viel­leicht gibt es ja längst Plattformen, die sich dieses Problems annehmen und ich weiß nur nichts davon. Andernfalls gibt es ja noch die ein oder andere alternative Wohnart, die viel­leicht auch bald nach Berliner Vorbild in Karlsruhe Schule machen wird. Ein Zuhause auf einem Hausboot mit der Adresse Am Altrheinarm 15 beispiels­weise. Oder alleinerziehende Frauen schließen sich nach mittelalterlichem Vorbild zu seinem Beginenhof zusammen. Oder wie wäre es mit einer Wagenburg mit angeschlossenem Waldkindergarten im Oberwald? So manche verstaubte Schrebergartenklause könnte auch mehr Leben vertragen. Wer weiß, vielleicht müsste dann mancher Vermieter mangels Nachfrage auch wieder von seinen überhöhten Forderungen ablassen und es wäre kein Jahrhundertwerk mehr, bezahlbaren Wohnraum für Familien und Studenten zu finden, von den Rentnern mal ganz abgesehen. Aber das ist eine andere Geschichte, wie es die orientalischen Märchenerzähler ausdrücken würde.