Immer mehr Menschen sind mit dem Fahrrad unterwegs

Herausgeber und Chefredakteur Karl Goerner

Liebe Leserinnen & Leser,

„Auto, Fahrrad & Co.“ ist diesmal das Schwerpunktthema. Sie werden in dieser Ausgabe dennoch erstmalig keine Anzeige eines Fahrradhändlers finden! Die Händler äußern ziemlich übereinstimmend, dass ihnen die Leute aus dem Laden rausstehen, so groß sei derzeit die Nachfrage.

Schlecht für uns, aber schön, dass offensichtlich immer mehr Menschen in der Region auf’s Fahrrad umsteigen und ihre Fortbewegungsmittel auch offline, also vor Ort im Fachgeschäft kaufen!

Mein erstes Fahrrad bekam ich – sehnsüchtig erhofft – zum zehnten Geburtstag. Dazu hatte mein Vater ein Schrottrad besorgt und mit ein paar Neuteilen, eigenhändiger Pinsel-Lackierung und viel Liebe neu aufgebaut. Ich war stolz wie Oskar, jetzt auch ein Rad zu haben, auch wenn es leider nicht über eine Torpedo 3-Gang-Nabenschaltung verfügte, wie sie damals angesagt war.

Voller Begeisterung radelte ich gleich los bergauf und bergab durch die ganze Bergwaldsiedlung mit der Folge, dass der Hausarzt bei mir am Abend einen Hitzschlag konstatieren musste. Ich weiß nicht, ob mir das Radeln jemals wieder so viel Spaß gemacht hat wie auf diesem bescheidenen Rad an diesem heißen Tag. Dieses Fahrrad hat meinen Aktionsradius schlagartig erhöht, so wie auch später Mofa, Moped und das Auto.

Heute bekommen unsere Kinder und Enkel meist in viel früheren Jahren ihr erstes Rad. Richtigerweise ein gutes und verkehrssicheres Rad. Doch oftmals wird es kaum beachtet in der Flut der sonstigen Geschenke. Gelegentlich wird es benutzt, auch wenn es blöderweise keine Handyhalterung hat…

Nee, ich möchte nicht behaupten, dass früher alles besser war, aber irgendetwas scheint sich geändert zu haben. Erklimmen Sie doch auf Ihrer nächsten Urlaubsreise mal einen Alpenpass mit dem Auto. Da werden Sie erleben, dass Ihnen besessene Rennradler in Falllinie auf Ihrer Spur ungebremst entgegenrasen und Sie noch beschimpfen, wenn Sie sich nicht sofort in Luft auflösen. Ähnliches kann Ihnen übrigens auch im Karlsruher Schlossgarten widerfahren, wo einst unser Karl Drais seine ersten Runden drehte.

Das Rad ist in vielen Fällen in unserer Gesellschaft zum Sportgerät geworden – und oft ausschließlich. „Wieviel Höhenmeter hast Du denn heute geschafft?“

Lassen Sie uns versuchen, unseren Kindern und Enkeln zu vermitteln (und vorzuleben), dass ein Fahrrad – zumal in Zeiten, in denen das Auto immer mehr „pfui“ wird – den Aktionsradius und damit die Freiheit erweitern kann.

Mit dem Fahrradhelm winkend wünsche ich Ihnen aber wie immer erst einmal viel Spaß beim Schmökern in Ihrem neuen

KARLSRUHER KIND!