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Familie und Wohnen Editorial September 2019

Herausgeber und Chefredakteur Karl Goerner

Liebe Leserinnen & Leser,


habe ich das schon mal erzählt, dass ich in einer Sozialwohnung der Volkswohnung aufgewachsen bin? Die Wohnung hatte zwei Zimmer und keinen Balkon im 5. Stock – natürlich ohne Aufzug, aber immerhin in Durlach. Die Wohnung war mit einem Baukostenzuschuss von Siemens finanziert und an Siemens-Mitarbeiter zu reduzierten Preisen vermietet worden. Mein Vater war ein solcher. Wir hatten eine große Küche, wo mein Laufstall aufgebaut war. Wenn mir ein Spielzeug rausgefallen war, kletterte ich über den Rand, holte mein Spielzeug und stieg wieder hinein. Meine Mutter war immer um mich, da sie als Hausfrau sowieso nahezu immer in der Küche war. Später nutzte ich den Rand des Perser(artigen) Teppichs im Wohnzimmer mit seinem rundlaufenden Rand für die Straßenszenen meiner unzähligen Spielzeugautos und baute daneben mit Lego meine Häuser. Ich schlief bei meinen Eltern im Schlafzimmer bis ich zehn war. Ich hatte damit kein Problem. Meine Eltern wohl auch nicht, denn ich bekam kurz vor dem zehnten Geburtstag noch einen kleinen Bruder. Dann zogen wir im selben Haus um. Einen Stock tiefer mit drei Zimmern und zwei Balkonen. Welch Luxus! Erst zu Studienbeginn zog ich aus und mein kleiner Bruder freute sich, endlich ein eigenes Zimmer zu haben.

Was möchte ich damit sagen? Vielleicht haben wir inzwischen völlig überzogene Vorstellungen über den Platzbedarf einer Familie. Noch 80 Jahre früher haben in Deutschland vierköpfige Familien in einem Zimmer mit Wohnküche gehaust und mussten in schlechten Zeiten noch einen wohnungslosen „Schlafgänger“ aufnehmen, der in den Familienbetten schlief, während die Familie am Arbeiten war und so zur Miete beigetragen hat. Und es gibt heute noch viele Familien auf der Welt, die in einem Zimmer zusammenleben (müssen).

Wir regen uns auf, wenn im Säuterich (Durlach-Aue) eine Fünf-Zimmer-Etagenwohnung im Erstbezug für 750.000 Euro angeboten wird, aber es wird jemand die Summe bezahlen (können).

Da erinnere ich mich an Abende, wenn Paps endlich von der Arbeit kam und wir alle zusammen in der Küche „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ gespielt haben, weil das Wohnzimmer im Winter natürlich nur beheizt wurde, wenn Oma oder noch wichtigerer Besuch kam… Keiner konnte flüchten. Und ich bin sicher: Wir waren eine glückliche Familie!

Jetzt wünsche ich Ihnen, wo immer Sie wohnen, mit dem Schlüssel unserer Mitwohnung in der Hand viel Spaß beim Schmökern in Ihrem neuen KARLSRUHER KIND!