Editorial Januar 2020

Karl Goerner, Chefredakteur & Herausgeber der Elternzeitung Karlsruher Kind

Liebe Leserinnen & Leser,

wenn das stimmt, was uns die PISA-Studie bescheinigt, die im Dezember veröffentlicht wurde, sind Sie vielleicht die letzte Generation, die diese Zeilen lesen und den Inhalt verstehen kann. Wenn Sie sehen könnten – oder gar lesen müssten – was wir an Texten von Presseagenturen bekommen oder mal eine Bewerbung einer/s 25-Jährigen ins Haus bekommen, wüssten Sie, was ich meine. Wollen wir mal von der Interpunktion absehen, alleine die Rechtschreibung, der Satzbau… Ein Beispiel gefällig? Neulich bekamen wir ein Schreiben eines Dienstleisters, der seine Leistungen mit „Höchster profisunalität“ anpries…

Natürlich wissen wir Eltern, dass seit Jahrzehnten zu wenig Geld für den Bildungshaushalt bereitgestellt wird – auf Bundes- wie auf Länderebene. Ein Kabarettist sagte neulich, dass wegen des enormen Lehrermangels jetzt Lateinlehrer eingestellt würden, die noch Muttersprachler seien.

Aber an den Schulen liegt das nicht alleine. Auch wir müssen uns den unbequemen Schuh anziehen. Wie oft haben wir etwas „wichtigeres“ zu tun, als unseren Kindern einen Sachverhalt oder einen von ihnen gelesenen Text so lange zu erklären, wie sie zuhören möchten.

Kinder sind von Natur aus neugierig. Meine Kinder wussten schon früh, was das Wort „Interesse“ bedeutet und (leider viel) später auch, wie man das schreibt. Und wir sind stolz darauf, dass sich unsere Kinder nie verstecken mussten oder einem Gespräch aus dem Weg gehen, weil sie die Worte nicht fanden.

Langer Rede kurzer Sinn: Es liegt nicht nur an der Schule. Und nein, es gibt nicht nur desinteressierte Lehrer, die nur auf die Ferien hinleben. Im Gegenteil: Ich wäre froh gewesen, wenn es zu meiner Zeit schon so viel hochengagierte und kompetente Lehrer/-innen gegeben hätte wie heute. Und wir alle sollten auch viel mehr Respekt vor Grund- und Gewerbeschullehrer/-innen haben und das auch zeigen. Sie leisten meist eine hervorragende und für sie selbst oft belastende Arbeit!

Jetzt wünsche ich Ihnen – voller Vorfreude auf ein neues, gutes Jahrzehnt – viel Spaß beim Schmökern in Ihrem neuen KARLSRUHER KIND!