Editorial Europa und USA – Schwerpunktthema April 2018

Herausgeber Karl Goerner
Liebe Leserinnen und liebe Leser,

irgendwie habe ich gerade das Bedürfnis, eine Lanze für die USA zu brechen. Für ein Land, das so viel Großes hervorgebracht hat, in dem der Hunger nach Freiheit die Antriebsfeder für alles zu sein scheint. Ein Land, in dem unzählige in Europa Chancenlose über Jahrhunderte hinweg ihren Weg gefunden haben. Ein Land, in dem schon 1787, zwei Jahre vor der französischen Revolution, in der Verfassung verewigt wurde: „Kein freier Mann soll verhaftet, gefangen gesetzt, seiner Güter beraubt, geächtet, verbannt oder sonst angegriffen werden; noch werden wir ihm anders etwas zufügen, oder ihn ins Gefängnis werfen lassen, als durch das gesetzliche Urteil von Seinesgleichen, oder durch das Landesgesetz.“ Eine Nation, in der „Easy Rider“ entstehen konnte und Crosby, Stills & Nash“ groß wurden, kann nicht schlecht sein. Ein Land, das Deutschland nach dem 2. Weltkrieg mit viel Vertrauen, Care-Paketen und „reeducation“ auf einen Pfad geführt hat, auf dem wir immer noch gerne unterwegs sind.

Liebe amerikanischen Freunde: Nein, Donald Trump ist nicht Amerika! Es ist leicht, mit dem Finger auf Euch zu deuten und zu fragen: was habt Ihr da gewählt? Es war auch leicht für uns als deutsche Schüler und Studenten damals, Euch Vietnam vorzuhalten, wo Ihr wirklich auf dem ganz falschen Trip wart.

So what? Noch vor zwei Jahren haben sich viele von uns (mich eingeschlossen) gegen das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP gewehrt, das viele Errungenschaften von uns Europäern über Bord geworfen hätte. Nun hat Euer Präsident einen Handelskrieg entfacht, der letztlich zurück ins Mittelalter führt: „Handelskriege sind gut und einfach zu gewinnen“, so Euer aktueller Präsident wörtlich.

Was haben diese Worte in einer – noch dazu regionalen – Elternzeitung zu suchen? Das hat doch nichts mit Kindern im Raum Karlsruhe zu tun?

Oh, doch! Wir schaffen die Welt, in der unsere Kinder leben müssen! Wir leben – anders als alle Generationen zuvor – in einer globalisierten Welt. Karlsruhe ist das Zentrum Badens, ein Teil von BaWü, ein Teil Deutschlands, ein Teil Europas, ein Teil der NATO und letztlich ein Teil unserer Welt, die es zu retten gilt, die es zu verteidigen gilt gegenüber Putins, Erdogans und Trumps!

Zurück auf Anfang: Die Präsidentschaft von Trump ist eine unschöne und auch gefährliche Episode. Die Welt wird sie (hoffentlich) überstehen. Umso wichtiger ist, dass wir – auch die Eltern und Großeltern in der Region – wissen, was das Wohl unserer Kinder und Kindeskinder wirklich bedroht. Vielleicht ist das Schicksal ausgesetzter Hunde auf Lanzarote und der Anblick der letzten pelztragenden Frauen in Europa wirklich schändlich. Auch die Baustellensituation in Karlsruhe ist unglaublich ermüdend. Aber sind das die momentan wesentlichen Probleme?

Versuchen wir doch einfach, ein großes und (weitgehend) einiges Europa aufzubauen und trauen wir einer großen Nation wie der USA zu, sich bald zu „enttrumpen“. Helfen wir mit, Deutschland und Europa nicht wieder in die Hände derer gelangen zu lassen, die aus (damals echter und heute scheinbarer) Not und Unzufriedenheit die Welt an den Rand des Abgrunds gebracht haben!

Zuvor jedoch, vor allen Aufgaben, die in der Welt, in Europa, Deutschland und der Region auf Sie warten: Haben Sie viel Spaß beim Schmökern

in Ihrem KARLSRUHER KIND!

 

Karl Goerner